Der LPRS wird zehn, drei kommos waren dabei

von: 
David Peter

Unter dem Motto „PRognose ungewiss – Herausforderungen für den Kommunikator von morgen“ hatten die Leipziger PR-Studierenden zu ihrem neunten LPRS-Forum geladen. Gleichzeitig feiert der Verein damit sein zehnjähriges Bestehen. Zwei gute Gründe also, in die schöne Stadt Leipzig zu reisen. Für kommo vor Ort waren Susanne Lanzmich, Larissa Lauth und David Peter. Ein Bericht.

Was darf es sein? Social Collaboration? Content Marketing? Kommunikations-Controlling? Oder doch lieber die Agentur der Zukunft besprechen? Um 13 Uhr hatten wir die Qual der Wahl. Welchen Workshop nehmen? Kurzerhand haben wir uns aufgeteilt.

Unter dem Titel „Stell dir vor, es wird digital und keiner macht mit“ lud Oliver Chaudhuri von JP|Kom ein, über die erfolgreiche Einführung von Social Collaboration Plattformen in Unternehmen zu diskutieren. Denn wo eine bessere und effizientere Zusammenarbeit oder Ideen- und Wissensaustausch locken, sind Kommunikationsabteilungen schnell mit der Entwicklung umfassender Plattformen am Werk. Doch häufig werden die Tools nicht angenommen oder die Kollegen aus Rechtsabteilung, Betriebsrat oder dem Vertrieb stemmen sich vehement dagegen. Um derartigen Szenarien entgegenzuwirken, müssen bei der Planung von Social Collaboration Tools verschiedenste Abteilungen einbezogen und vorbereitet werden. Im Workshop entwickelten wir für das fiktive Unternehmen Green Chem kurzerhand einen Plan, welche Stellen im Unternehmen im Hinblick auf Steuerung, Moderation, Promotion und Inhalte einbezogen werden müssen. Zudem stellten wir Guidelines auf und gestalteten eine Kommunikationskampagne, die die Einführung einer Plattform begleiten kann – beste Vorbereitung also für Praxis. Was wir uns merken: Kommuniziere seriös aber auch provokant, finde Botschafter, die das Tool vorantreiben und denke auch über Gamification-Elemente nach.

Zum Thema „Content Marketing – Tod der PR oder höchste Zeit umzudenken?“ diskutierten die Teilnehmer des dritten Workshops. Stefan Koch von der Nürnberger Agentur Flutlicht PR berichtete über die rasant zunehmende Vermischung von PR und Marketing. Fazit der Diskussion: Die PR-Branche sollte keinesfalls verzagen - schließlich stellt die Generierung von Content eine Kernkompetenz der PR dar. Content Marketing ist eben doch nur ein „alter Hut im neuen Gewand“ befanden die zahlreich Anwesenden.

Beim Workshop Kommunikations-Controlling war der Andrang nicht ganz so groß („das Thema sei ja auch leider nicht so sexy“, meinte selbst Referent Dr. Buchele von buchele cc), doch umso intensiver wurde diskutiert. Denn die Herausforderung, den Mehrwert der Kommunikation zu messen, besteht nach wie vor. Und häufig scheitert es an Banalitäten. Oder eine andere Abteilung macht der Unternehmenskommunikation den Erfolg streitig, wussten die Teilnehmer zu berichten. Umso wichtiger, so Referent Buchele, sei es, den DPRG/ICV-Bezugsrahmen ernst zu nehmen und Ziele vom Ende her zu denken.

Unser Ziel war nun die Abendveranstaltung. Nach einem Zwischenstopp im Hotel ging es um 18:30 Uhr im Mediengarten des MDR weiter. Unter tropischem Flair gab Trendforscher Sven Jánszky Einblicke in die Welt von morgen. Seine These: Algorithmen werden unsere Welt regieren. „Wenn Ihnen Google demnächst im Supermarkt  das am besten zu Ihnen passende Produkt vorschlägt, wie lange kaufen Sie dann noch die Marke, der Sie bisher treu waren?“ Die Folge: Marken werden unwichtiger, Mittelklasse-Produkte verschwinden. Die Zukunft der Produkte heißt Premium oder Economy. Hierfür müssen auch die Kommunikatoren von morgen gewappnet sein.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion ging es heiß her. Moderiert von PR-Report Chefredakteur Nico Kunkel erklärten Prof. Dr. Joachim Klewes von der Universität Düsseldorf, Susanne Marell von Edelmann und Andreas Breitsprecher von Vattenfall ihre Sicht der PR-Zukunft. Für den PR-Nachwuchs stieg Jana Bomhoff von der Generali Versicherung in den Ring. Getreu dem Sprichwort „Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen“ umkreisten die Diskutanten die großen Themen Digitalisierung, Globalisierung und Konvergenz der Disziplinen, ohne sich dabei allzu sehr festlegen zu wollen. Klewes These, PR-Studierende hätten das falsche studiert und sollten am besten Wissen aus Psychologie, Wirtschaftswissenschaften und Informatik mitbringen, sorgten für Protest aus dem jungen Publikum.

Auch Breitensprechers Aussage, die neuen Technologien seien doch eher zu vernachlässigen, solange man für Transparenz und Glaubwürdigkeit stehe, sorgte für einige Irritation - besonders auf der Twitterwall hinter dem Podium. Beifall bekam Jana Bomhoff für ihre Verteidigung des eierlegenden Wollmilchstudenten: „PR-Studierende chillen nicht nur.“ Zumal der PR-Nachwuchs durch spezifische Studiengänge heutzutage besser denn je auf die Herausforderungen der Arbeitswelt vorbereitet sei. Veränderungen brächten auch immer die Chance, etwas zu bewegen. Vor dem Hintergrund der immer noch laufenden Nachwuchsdebatte ein wichtiges Statement.

Zwischen der Verabschiedung von Prof. Bentele und der Rückschau auf zehn Jahre LPRS durch den Gründungsvorstand klang der Abend bei vorzüglichem Essen mit Filmen, Spielen, Streichquartett und einem LPRS-Quiz langsam aus. Herzliche Glückwünsche zu diesem besonderen Jubiläum und ein großes Dankeschön an den LPRS für die Einladung. Es war ein sehr schöner Abend und ein tolles Erlebnis.